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Schulgeschichte

Anhand von Gemeinde- und Kirchenrechnungen lässt sich nachweisen, dass zumindest seit dem Jahre 1673 in Blickweiler eine Schule bestanden haben muss. Das sind heute mehr als 326 Jahre. deren Ablauf, soweit dies irgendwie möglich ist, verfolgt werden soll. Aus dem genannten Jahr stammt nämlich die älteste Kirchenrechnung der Kirche des heiligen Romaricus (damals Kirchenpatron von Blickweiler, vor der jetzigen Patronin der hl. Barbara) aus Blickweiler. Aus der Kirchenrechnung geht hervor, dass dem Schulmeister an seinem, Gehalt allzeit tu genießen überlassen sei:

a) eine Wiese in der Lautzkircher Au unten auf die Blies stoßend, mit vier Steinen eingesteint. welche jährlich eineinhalb Wagen Heu ergibt,

b) noch eine Wiese in den unteren Pfullwiesen, ebenfalls auf vier Ecken abgesteint. erträgt ohngefähr ein Fahrtgen Heus und ist ebenfalls einem Schulmeister allzeit zu seinem Gehalt überlassen und zieht davon nichts!

Leider ist in dieser Rechnung der Name des Lehrers nicht genannt. Ebenso wissen wir nicht. in welchem Gebäude Schule gehalten wurde. Es muss angenommen werden, dass in einem Privathaus unterrichtet wurde.

Trotzdem glaubte der am 19. Juni 1960 in Blickweiler verstorbene Oberlehrer a. D. Jakob Fath den Namen des Lehrers gefunden zu haben. Im Heiratsregister der Pfarrei Blickweiler- Blieskastel ist unterm 10. September 1679 beurkundet die Trauung des ehrenwerten Magisters Henricus (Heinrich) Schweitzer mit der Ehrenwerten und tugendsamen Jungfrau Fronika (Veronika) Morgenthaler. Wie diese Urkunde weiter besagt, war die Braut vorher Lutheranerin und trat vor der Trauung zur katholischen Kirche über. H. Schweitzer starb im Jahr 1714 und hinterließ eine Witwe und zwei verheiratete Töchter im Alter von 33 und 35 Jahren. Heinrich Schweitzer könnte damals in Blickweiler Schulmeister gewesen sein, denn als Beruf ist in der Heiratsurkunde Schuster angegeben, und es war damals so, dass der Schulmeister meistens ein Handwerker war, der im Sommer seinem Beruf nachging und im Winter in der Schule meisterte.

Zu jener Zeit gab es in Blickweiler auch einen Glöckner. Der hieß 1673 Jakob Leonhardt. Dieser Dienst wurde wie fast überall schon vor der französischen Revolution auch in Blickweiler mit dem Mesnerdienst gekoppelt. der seinerseits wieder mit dem Schuldienst verbunden war. Dieser Mesnerdienst war echt einträglich für damalige Verhältnisse, obwohl auch er nicht direkt mit Geld entlohnt wurde, sondern durch Überlassung von Ländereien zur Nutznießung. Die Fläche war beachtlich, denn sie betrug beispielsweise im Jahre 1879 insgesamt 5,3452 ha. das sind rund 21 ein Drittel Morgen, die sich aufgliederten in 6 Morgen Wiesen, 15 Morgen Ackerland und einen Garten.

Der erste Lehrer, der in Blickweiler nachweisbar ist, war Friedrich Simon. Er ist aufgeführt im Taufregister als maitre d'école in Blickweiler (= Lehrer in Blickweiler) bei der Taufe eines Sohnes im Jahre 1709. Ab wann und wie lange er hier Schulmeister war, konnte nicht ermittelt werden.

Neue Kunde über die Schule in Blickweiler haben wir aus dem Jahre 1738. Hier erfahren wir, dass das Schulhaus zu klein geworden war und ein Neubau angestrebt werden sollte. Das sollte jedoch gewissermaßen heimlich, so ohne jede behördliche Genehmigung und Aufsicht geschehen. Diese Heimlichtuerei hatte allerdings einen ganz besonderen Grund. Man verlangte hier nämlich, der Pfarrer sollte in Blickweiler Wohnung nehmen, wo ja die Mutterkirche stand und nicht in Blieskastel. Ein gewisser Rothermel und nach ihm der Weinschenk Christoffel Fischer, der Gerichtsmeier in Blickweiler und Sprecher beim Bischof in Metz war, traten für den Neubau eines Schulhauses ein, das dann aber nach seiner Fertigstellung als Pfarrhaus dienen sollte. Selbstverständlich durchschaute man in Blieskastel das Spiel und ließ Blickweiler wissen, dass der Plan der vorherigen herrschaftlichen Genehmigung bedürfe. Trotzdem wurde der Bau ohne Genehmigung begonnen und auch weitergeführt. obwohl Blickweiler mit einer Strafe von 500 Reichstalern bedroht wurde, was für damalige Verhältnisse eine ganze Menge Geld war. Immerhin wollte man aber die Notwendigkeit eines Schulhausbaues beweisen und lud deshalb den Rentmeister Hansel und den Schultheißen 1-lager von Blieskastel zu einer Ortsbesichtigung eine. Die beiden meldeten sich vorher an und waren nicht wenig erstaunt, in der Schule 54 Kinder vorzufinden! Nun, es fand eine zweite Besichtigung statt, und jetzt waren es nur noch 36 Kinder. Die bestellten Visitatoren beantragten beim Oberamt Blieskastel einen Anbau, keinen Neubau. Der regierende Graf in Koblenz allerdings genehmigte einen Neubau mit der Auflage, dass der Rentmeister Hansel den Bau vor Baubeginn approbiert habe. Trotz allein wurde ohne genehmigten Plan weitergebaut, so dass die Folgen nicht ausblieben. Die Gemeinde Blickweiler musste 500, Christoffel Fischer 150 Reichstaler zahlen. Zudem musste in kurzer Zeit ein Bauplan vorgelegt werden.

Literaturnachweis: Blickweiler im Wandel der Zeit, Heimatbuch 1000 Jahre Blickweiler
 



Die behördliche Abnahme des bereits bewohnten Schulhauses erfolgte erst am 19. Januar 1743 durch den Amtmann Schmelzer aus Blieskastel. Dabei anwesend waren Christoffel Fischer und der Maurermeister Joseph Weinhardt aus Blieskastel. Gemach um Gemach wurde abgemessen. wobei sich gefunden, dass das ganze Gebäude 57 Schuh (= 17,70 m lang und 32 Schuh (= 9,90 m) breit, zweistöckig und in die vier Kander mit steinernen Wänden (also kein Fachwerk) wie auch die zwei Giebel bis unter die First aufgeführt seindt.

Im unteren Stockwerk befanden sich rechts vom Eingang die Küche mit einem Backofen und links vom Eingang zwei kleine Zimmer. Im oberen Stockwerk waren die Schulstube, eine Kammer und die Rauchkammer. Neben der Wohnung waren mit diesem noch unter einem Dach Scheune und Stallungen.

Bei der Abnahme selbst stellte sich heraus, dass die tatsächlichen Maße der einzelnen Räume bis auf den Schulsaal dem Plan nicht entsprachen. Zu ändern war daran nichts mehr. Der Bau stand und erfüllte seien Zweck. Dabei hatte das Schulzimmer im oberen Stockwerk seinen eigenen Eingang vom Kirchhof her, also von der Rückseite. Zu der Lehrerwohnung im unteren Stock gelangte man von der Dorfstraße aus (die heutige Töpferstraße).

Diese Schule von Blickweiler stand also neben dem ehemaligen Anwesen Jakob Kihm diente Alois Dahlem), und sie wurde trotz allem doch noch Pfarrhaus, das bis in den zweiten Weltkrieg hinein stand und auch als Pfarrhaus benutzt wurde, bis es am 28. Februar 1945 durch Bombenvolltreffer zerstört wurde. Als nämlich am 9. August 1805 die Teilung der Pfarrei in zwei selbständige Pfarreien (Blickweiler und Blieskastel) beschlossen war, brauchte man ein Pfarrhaus. Die politische Gemeinde vertauschte das Schulhaus gegen ein Wohnhaus mit Scheuer. Stall. Schuppen und Hof, das der Kirchengemeinde gehörte. Nachdem am 24. August 1805 die Errichtung der beiden Pfarreien durch den Präfekten des Saardepartements genehmigt worden war, trat die Teilung 1806 in Kraft. Das 1739 erbaute Schulhaus wurde Pfarrhaus und das eingetauschte Wohnhaus (früher zum Gräfinthaler Klosterhof gehörig) wurde Lehrerwohnung, an die man schon 1802/03 einen Schulsaal anbaute.

Aber wir wollen noch einmal kurz zurückblenden. um uns die innere Struktur der damaligen Schule etwas näher anzusehen. Wir kennen zum Beispiel einen Vertrag, der uns die Pflichten des Lehrers darlegt. Er wurde geschlossen am 1. Februar 1780 zwischen der Gemeinde Blickweiler und dem Lehrer Johannes Feldeisen, dessen Vater bereits Lehrer in Blickweiler war. Dieser hieß Michael Feldeisen und war in Blickweiler mit Sicherheit tätig von 1757 bis 1761, wahrscheinlich aber bis 1774. In diesem Jahr heiratete sein Sohn Johannes Feldeisen die Margarethe Lachmann aus Mainz. Sein Vater Michael starb übrigens am 7. November 1783 in Biesingen.

Aus diesem soeben erwähnten Vertrag zwischen der Gemeinde Blickweiler und Johannes Feldeisen ersehen wir, welche Dienste dem Lehrer als Glöckner. Mesner und Schullehrer oblagen. Der Vertrag lautet: Heut nach dem gesetzten Dato hat die ehrsame Gemeinde Blickweiler ihrem Schulmeister Johann Feldeisen von daher die Erlaubnis eines Hochlöblichen Oberamtes, auch unserem ehrwürdigen Herrn Pastor vor ein Jahr als Schulmeister angenummen. Das Schuljahr gehet zwar den 25. anni curentis erst an und endigt nämlich Dato 1781 und hat gedachter Schulmeister hei seinem Schulamt zu verrichten als:

1. Dem Herrn Pastor in der Kirche aufzuwarten, Mess' und Vesper helfen singen, und die Kirch jederzeit reinlich zu halten.

2. Alle Tage dreimal Angelus läuten und alle Tage des Nachts von Martini bis Maria Verkündigung (das ist vom 11.11. bis 25.3. im nächsten Jahr) um 8 Uhr (abends) läuten und auch die Kirchenuhr zu richten, dass diese in Ordnung fortgehet.

3. Die Kirchentücher zu waschen und die nötigen Hostien zu backen, hat dafür zur Zahlung: 4 fl. für die Wasch Lind 2 fl. für die Hostien.

4. Der Schulmeister hat auch von der Kirch zu ziehen 8 fl. Kompetenz und 3 fl. für 6 arme Kinder zu lernen.

5. Das ganze Jahr über zweimal täglich Schul zu halten, wovon er zu ziehen hat: Von jeder Haishaltung ein Faß Korn und 2 Mülster (1 Mülster = ein viertel Faß oder 13,5 Pfund), alle Glöcknereigüter frei zu besitzen und alljährlich 2 Klafter Buchenholz (1 Klafter = örtlich verschiedenes Raummaß zwischen 2 und 4 cbm) aus den Gemeindewaldungen frei zu ziehen, jedoch muss der Schulmeister solche auf seine Kosten hauen und heimfahren lassen; muss die Gemeinde dem Schulmeister 30 Zentner Stückkohlen in dem St. Ingberter Kohlwald, wann er solche erkauft hat, frei heimfahren lassen; wie auch ein frei Wohnhaus; und soll ihm auch von jedem Schulkind das Vierteljahr 15 Kreutzer zahlt werden, von einem Begräbnis mit 3 Ämter soll ihm ein Gulden zahlt werden und von jeder Kindtauf 5 Kreutzer. Ein Kind zu begraben 15 Kreutzer, von einer Hochzeit 30 Kreutzer, hat Schulmeister von Kirch zu ziehen 7 Albus Besen in die Kirch zu stellen, ein Thaler für zu flicken und ein Gulden für drei Anniversarium (Jahrgedächtnisse).

Dass vorstehender Akkord zwischen hiesiger Gemeinde und unserem Schulmeister also verabredet und geschlossen und vor ein Jahr gültig ist, sofern er von unserem Hochlöblichen Oberamt (in Blieskastel) ratifiziert, erkennen wir hiermit

Blickweiler, den 1ten Febris 1780.
Namens Gemeinde: Barthel Kihm, Hampeter Krämer, Peter Becker.
Gerichtsschöffen: Johannes Krämer, Heinrich Bracker, Joseph Kremmer, Johannes Georg, Franz Post.
 


Der Lehrer war also damals Kirchendiener, Orgelspieler. Putz-, Flick- und Waschfrau, Hostienbäcker, Kerzenzieher, Glöckner, Uhraufzieher und zum Schluss auch noch Lehrer. Der Schulmeister von Blickweiler verfertigte nachweislich 1789 auch für die Zunft der Handwerker im Oberamt Blieskastel eine großartige, neue Zunftkerze, welche als Zunftdank nach Gräfinthal wanderte.

Anscheinend wurde der Lehrer immer nur für ein Jahr gewählt und nur auf ein Jahr vertraglich verpflichtet. Das brachte unbedingt Nachteile mit sich und eine Äußerung der Gräfin Marianne von der Leyen in diesem Zusammenhang ist verständlich, wenn sie meint: "Den Schulmeister zu wählen haben die Bauern verwirkt, weil sie vordem wie beim Hirten immer nur den wählen, der am wenigsten verlangt; auch sind sie ja nicht in der Lage, die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Bewerbers zu beurteilen". Wenn man zu allem bedenkt, dass der Lehrer neben den vielen Verpflichtungen auch noch gut 21 Morgen Land bewirtschaftete, dann dürfte es einleuchtend sein, dass für die Schule wirklich nicht viel Zeit übrig bleiben konnte.

Dabei gab sich die Herrschaft in Blieskastel redlich Mühe, die Schulverhältnisse in ihrem Herrschaftsbereich zu verbessern. Schon Franz Karl hatte 1775 allen ihm unterstehenden Gemeinden befohlen, pflichtgemäß für Unterricht und Erziehung der Kinder zu sorgen. nachdem schon im Jahre 1738 eine Regierungsverordnung über die allgemeine Schulpflicht im Oberamt Blieskastel erlassen worden war, die aber den damaligen Verhältnissen entsprechend einfach nicht durchgeführt werden konnte. So folgte im oben genannten Jahr ein neuer Erlaß, der die Sommerschule einführen sollte, so dass die Schule vom 28. März des Jahres 1775 nicht mehr schließt und alle Kinder das ganze Jahr über in die Schule gehen. Nur für die größeren Kinder soll während der Weidezeit (25. März bis 29 September) nur eine Stunde vor - und nachmittags Unterricht sein. Während der Erntezeit allerdings (Juli - August) brauchen diese Kinder nur am Samstag drei Stunden in die Schule.

Dass diese Regelung nicht von Dauer sein konnte, leuchtet ein, und so wundert es nicht, dass am 16. Mai 1786 und am 16. Juli 1789 neue Erlasse folgten, wobei im letzten unzweideutig und unausweichlich festgestellt wurde: "Alle Kinder in Stadt und Land müssen vom vollendeten 6. bis mindestens zum vollendeten 13. Lebensjahr vorschriftsmäßig die Schule besuchen". Schulaufnahmen fanden zweimal statt, und zwar zu Michaeli (29. September) und an Ostern. Alle Eltern waren gehalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Darüber hinaus mussten sie die Kinder anhalten, den Lehrern Gehorsam, Liebe und Achtung entgegenzubringen. Zur Erlernung eines Handwerks oder zur Aufnahme eines Studiums mussten die Zeugnisse der besuchen Schule vorgelegt werden. Die Schule selbst durfte ab jener Zeit nur die Lehrer einstellen, die beim Rektor in Blieskastel ein oder zwei Jahre die Normalschule besucht hatten.

Danach konnte also fortan nicht mehr jeder "schulmeistern", sondern seit 1780 bestand die Vorschrift, dass sich sämtliche Schulmeister in Blieskastel jährlich prüfen lassen mussten, wobei festgestellt wurde, ob sie auch die richtige Methode des Unterrichtens beherrschten. Als richtig galt nur eine Methode, nämlich die des Mainzer ABC-Buches von 1776. Es war Vorschrift, den Lehrer sofort zu entlassen, der bei einer falschen Methode befunden wurde. Das Oberamt in Blieskastel war gehalten. so viele Schule einzurichten, wie Pfarreien vorhanden waren.
 


Auch unter der französischen Herrschaft wurde die Fürsorge um die Schule nicht weniger. So ordnete der Französische Regierungskommissär am 9. floréal VI (= 28.4.1798) in den neuen Departements auf dem linken Rheinufer an, dass sowohl für die Knaben als auch für die Mädchen Schulen statthaben sollen. In Erwägung, dass zur Vorbereitung der Aufklärung, zur Förderung der Wohlfahrt der Staaten und des Glücks ihrer Bürger nichts wichtiger als die Erziehung der Jugend und es dringend ist, den öffentlichen Unterricht nicht zu unterbrechen (was zu damaliger Zeit also offensichtlich geschehen war) und demselben einstweilen bis zu einer endgültigen Organisation den Charakter zu geben, der ihm in dieser Lage zukommt, um die heranwachsende Generation zum Genusse der Wohltaten der Freiheit, deren Morgenröte ihre Wiege beleuchtet. vorzubereiten.

Als Ergänzung dazu verordnete ein Gesetz vom 11. floréal X (= 1. Mai 1802), dass die Primärschulen durch die Gemeinden errichtet werden sollen.

Um diese Verordnungen und Neuerungen durchführen zu können, brauchte man Menschen. welche die Ideen in die Tat umsetzten. Wer diese Menschen waren und wie es mit der Schule iii Blickweiler weiterging. das wollen wir weiterhin zu klären versuchen, ein Unterfangen. das schwer lösbar ist, zumal wir wissen, dass die Lehrer lange Zeit nur auf ein Jahr gewählt und angestellt wurden und somit ein häufiger Wechsel oder auch die Aufgabe einer Schulstelle möglich war.

Trotzdem können wir im 18. Jahrhundert die Lehrer in Blickweiler ziemlich lückenlos nachweisen, Ihre Namen finden sich in den alten Kirchenbüchern. weil sie während ihrer Tätigkeit in einem Ort meistens bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen als Zeug die Eintragungen mit- unterschrieben und der Beruf dann als "Ludimagister" (= Lehrer) angegeben ist.

Wir wissen bereits, dass der erste urkundlich nachweisbare Lehrer Friedrich Simon war. Sein Nachfolger könnte Johannes Roger gewesen sein (er unterschrieb meistens Rogé). Er wird erwähnt. zusammen mit seiner Frau Maria Barbara Kin am 1.2.1726, wo beide als Taufpaten auftraten, wobei vermerkt ist, dass beide aus Blickweiler sind und er dort Lehrer ist. Als Zeuge unterschrieb Roger noch alle Sterbeeintragungen. beginnend 1733 bis einschließlich 20. Juli 1739. Danach tritt er nicht mehr in Erscheinung. Interessant ist hierbei, dass er also zu der Zeit hier Lehrer war, als die erste (oder zweite?) Schule hier gebaut wurde, und dass aller Wahrscheinlichkeit nach er es war, der die stattliche Zahl von 54 Kindern vorstellte.

J. Roger folgte Peter Jager oder auch Jäger, denn ihm wurde am 18.1.1743 in Blickweiler ein Sohn geboren, wobei Peter Jager in dem Taufregister als Lehrer aufgeführt ist. Als solcher war er bis Anfang 1745 hier tätig und ist dann anscheinend nach Biesingen verzogen. Auch er musste noch mit dem Schulhausbau in Blickweiler zu tun haben, weil bekanntlich die Abnahme durch die Behörde am 19.1.1743 erfolgte.

Nach Peter Jager wurde Michael Feldeisen Lehrer in Blickweiler. Erstmals erwähnt ist er als Trauzeuge am 29. Juni 1745 und erscheint als Zeuge immer wieder bis zum 4.1.1776. Er starb in Biesingen am 7.11.1783 als Witwer der verstorbenen Magdalena Munhoffen.

Nach ihm wurde übrigens sein Sohn Johannes Lehrer in Blickweiler. Von ihm wissen wir. das er am 16.5.1774 die Margarethe Lachmann heiratete. Ebenso ist uns schon der Vertrag bekannt. den er als Lehrer 1780 mit der Gemeinde abschloss.

Mit Michael und Johannes Feldeisen ging beinahe eine "Lehrerdynastie" zu Ende, denn immerhin waren sie hier als Lehrer von 1745 bis wahrscheinlich 1781, denn im selben Jahr erscheint schon Peter Wannemacher als Lehrer in Blickweiler. woraus hervorgeht, dass der vorhin erwähnte Vertrag tatsächlich nur ein Jahr Gültigkeit hatte. Von Peter Wannemacher wissen wir, dass er der Sohn des Bernhard Wannemacher und seiner Frau Barbara Hartz aus Ommersheim war. Am 2.10.1781 heiratete er als Lehrer von Blickweiler Magdalena Fischer, die Tochter des verstorbenen Bartholomäus Fischer und Elisabeth Kremerin. Er erscheint immer wieder als Lehrer bis zum 6.1.1786, obwohl in den Kirchenbüchern sein Name noch bis 1798 erscheint ohne Angabe des Berufes.

Mit ihm reißt der bisher wohl kontinuierliche Faden in der Reihenfolge der Lehrer in Blickweiler vorerst ab, was aber von den geschichtlichen Ereignissen her verständlich erscheint (Auswirkung der französischen Revolution, Europa unter der Herrschaft Napoleons), denn es wäre durchaus denkbar, dass die Schulen vorübergehend geschlossen waren. Immerhin fällt in diese Zeit der schon erwähnte Tausch zwischen der Kirche und der Gemeinde, wobei die alte Schule Pfarrhaus wurde und die Gemeinde an das von der Kirche erhaltene Gebäude einen Lehrsaal anbaute (1802-1806).
 


Interessant für uns ist das Heiratsregister aus jener Zeit. In ihm finden wir, dass am 23.12.1820 der Lehramts-Candidat Christoph Wannemacher, geboren am 23.2.1798, nach Ableistung seiner Militärdienstzeit die Barbara Altmayer aus Blickweiler heiratete. Dieser Christoph Wannemacher war übrigens der Sohn des Peter Wannemacher. Leider ist in der Urkunde nicht ausdrücklich erwähnt, ob er vor oder nach seiner Heirat in Blickweiler Schule gehalten hat, was immerhin denkbar wäre, weil die Heirat in Blickweiler stattfand.

Mit Sicherheit aber kennen wir erst wieder Simon Janton als Lehrer in Blickweiler. Er bestand seine Lehrerprüfung am Seminar in Kaiserslautern mit "vorzüglich" und war in Blickweiler von 1836 bis 1843 tätig.

Sein Nachfolger wurde 1844 Johannes Hansel. Von ihm wissen wir, dass er als Küster aus der Gemeindekasse Ballweiler für das Jahr 1844 insgesamt 11 Gulden bekam, die vierteljährlich zu zahlen waren. Das war in sich nichts Neues, denn aus einem Schriftstück aus dem Jahre 1687 wissen wir, dass auch Wecklingen dem Schulmeister zu Blickweiler jährlich ein Mülster Korn geben musste. Diese Entlohnung galt aber nicht dem Lehrer direkt, sondern dem Mesner oder Kantor in Blickweiler. Die Wecklinger waren nämlich zu jener Zeit nach Blickweiler gepfarrt, und der Lehrer musste mit dem Pfarrer von Blickweiler an allen Versehgängen in Ballweiler und Wecklingen und an den Beerdigungen teilnehmen. Es ist deshalb auch verständlich, dass der Lehrer ohne Einwilligung des Pfarrers damals den Kirchensprengel nicht verlassen durfte. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts musste übrigens die Gemeinde Ballweiler zum Lehrergehalt in Blickweiler einen Kleinen Zuschuss leisten.

Der Nachfolger Hansels wurde 1853 Johannes Nußbaum. Er war am 17.7.1822 in Kaiserslautern geboren und war wie sein Vorgänger zuvor Schulverweser in Biesingen. Gegen Ende seiner hiesigen Tätigkeit gab es einschneidende schulische Veränderungen. Am 22.6.1868 stellte er den Antrag auf Errichtung einer zweiten Schulstelle. Dazu legte er eine Ubersicht vor, wonach die Gesamtschülerzahl vom Jahre 1859 bis 1868 von 75 auf 113 gestiegen war. Für das Jahr 1869 waren 131 und für 1870 sogar 142 Schulkinder zu erwarten. Da nach den damals geltenden Bestimmungen höchstens 80 Kinder von einem Lehrer unterrichtet werden durften, musste die zweite Schulstelle genehmigt werden. Dazu stellte die Gemeinde Blickweiler den Antrag, dass diese Schulstelle künftig von einer Schulschwester verwaltet werden sollte. Zunächst gab es damit Schwierigkeiten. weil vom Mutterhaus in Speyer keine Schwester zur Verfügung gestellt werden konnte. Deshalb wurde diese zweite Schulstelle zunächst besetzt mit dem Schuldienstexspektanten Hillenbrand. Er blieb aber nicht lange hier (vom 31. Oktober 1868 bis 9. November 1870), weil am 1. Dezember 1870 die erste Schulschwester in Blickweiler ihren Dienst aufnahm. Es war Schwester M. Theresia (Elisabeth Diemer) und kam von Blieskastel. Sie blieb übrigens hier bis 1892. In diesem Jahr wurde sie aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt, und sie konnte ihren Dienst nicht mehr aufnehmen. Deshalb kam für sie noch im selben Jahr Schwester M. Johanna (Barbara Bauer) aus Rülzheim. Sie blieb bis zum 19. April 1896 in Blickweiler. Weil danach keine neue Schulschwester zur Verfügung stand, wurde nach dem Weggang der Schwester Johanna die zweite Schulstelle wieder durch einen Lehrer besetzt. Das blieb so bis 12. April 1904.

In der Amtszeit von Johann Nußbaum fällt auch die Erstellung eines zweiten Schulsaales. Die Gemeinde wollte zunächst auf den bestehenden Saal einen zweiten bauen. Kostenvoranschlag und Pläne waren eingereicht, aber der vorgesetzten Behörde schien die Sache zu teuer, und sie forderte die Gemeinde auf, in den nächsten Jahren einen Schulsaal mit Wohnung zu bauen. Dazu sollte die Gemeinde Mittel einsparen und um einen Zuschuss nachsuchen. Das war Gut und schön, aber ein zweiter Saal war damit nicht vorhanden. Um dann vom Wechselunterricht (auch damals schon!) loszukommen, wurde die Gemeinde angewiesen, einen Schulraum zu mieten. In den Aufforderungen dazu heißt es: "Von Witwe Schmitt ist der erwähnte Saal und das daranstoßende Zimmer, Kohlenplatz und Abtritt auf drei, sechs oder neun Jahre um 40 Gulden jährlich tu mieten". Das ist auch geschehen. Es handelte sich dabei um einen größeren Raum im ehemaligen Anwesen Welch Ferdinand, heute Norbert Motsch, gegenüber der Kirche.
 


Auf die Dauer konnte das aber auch keine befriedigende Lösung sein, und so beschloss der Gemeinderat vorbehaltlich höherer Genehmigung, "das dem Lehrer Nußbaum gehörige Wohnhaus mit Scheuer, Stall, Hofraum und Garten. alles beisammenliegend, als Schulhaus für die Mädchenschule (= Klasse der Schulschwester) zu erwerben". Es handelt sich bei diesem Gebäude um das ehemalige Schwesternhaus, das im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Dieses Haus hatte Nußbaum 1856 von den Handelsleuten Simon und Levi Zacharias aus Blieskastel erworben und für seine Zwecke entsprechend umgebaut, denn Nußbaum hatte mehrere Kinder. In dem vorher erwähnten Gemeinderatsbeschluss heißt es weiter "das ganze Anwesen ist neu, und was die Wohnung, welche aus 4 Zimmern, davon 2 sehr geräumig, und einer Küche besteht, anbelangt. solid und dauerhaft hergerichtet. Unter dem Wohnhaus befindet sich ein großer, gewölbter Keller. Der mit dem Wohnhaus zusammenhängende Stall ist leicht zu einem schönen und geräumigen Lehrsaal herzurichten; sämtliche Fenster erhalten von der Südseite her Licht."

Der Kauf kam zustande und die Gemeinde erwarb das Anwesen für 3.150 Gulden. Nußbaum zog mit seiner Familie nach Biesingen. Der Umbau erfolgte, und so waren zwei Schulsäle vorhanden und das ehemalige Anwesen Nußbaum wurde Schwesternhaus.

Nach der Pensionierung des J. Nußbaum wurde die Schulstelle in Blickweiler vorübergehend von Jakob Schröck aus Ballweiler verwaltet (1. Dezember 1873 bis 15. Februar 1874), bevor die erste Lehrstelle, das war gleichzeitig immer der Schulleiter und der Lehrer für die Oberklasse, mit August Karl Heist neu besetzt wurde. Auch Heist war vorher Schulverweser in Biesingen und blieb in Blickweiler bis Oktober 1900. Er zog dann in seine Heimatstadt Landau, wo er 1907 verstarb.

Nach A. K. Heist war für kurze Zeit Adolf Fichter als Lehrer hier tätig (vom 27. Oktober 1900 bis 31. Januar 1901), bis die Stelle wieder endgültig besetzt wurde durch Jakob Mork. Er ließ sich 1905 nach Bubenhausen versetzen.

Während seiner Amtszeit wurde in Blickweiler ein neues Schulhaus gebaut. Der entscheidende Gemeinderatsbeschluss dazu wurde am 20. August 1900 gefasst. Dort heißt es: "In Erwartung, dass wegen großer Schülerzahl bereits Abteilungsunterricht (= Wechselunterricht) gehalten werden muss, die Schülerzahl ständig wächst und deshalb die Errichtung einer dritten Schulstelle und die Neuschaffung eines dritten Lehrsaales dringend notwendig ist; in Erwägung, dass aber auch die Wohnung des 1. Lehrers sehr beschränkt und eine absolut nötige Vergrößerung nur durch Benützung des angrenzenden Lehrsaales möglich ist, sodass dann 2 Lehrsäle fehlen, wird beschlossen:

1. Im Schulgarten neben der Schulscheuer sind 2 neue Lehrsäle erbauen zu lassen und zwar als zweistöckiges Gebäude (2 Säle übereinander)

2. Der Lehrsaal an der Straße ist in Wohnzimmer umändern zu lassen.

3. Über die Beschaffung der Mittel ist später Beschluss zu fassen."

Dieser geplante Neubau wurde von der vorgesetzten Behörde am 20. August 1901 offiziell genehmigt. Am 20. November 1901 wurden bereits die gesamten Arbeiten zum Neubau vergeben. 1902/03 wurde der Bau fertiggestellt. Man konnte sich aber des Erfolges nicht lange freuen, denn als 1904 die Schwesternstation mit zwei Schwestern wieder errichtet wurde, fehlte bereits der dritte Lehrsaal, und der gerade stillgelegte Saal an der Straße musste wieder in Betrieb genommen werden, obwohl er in keiner Weise mehr den schultechnischen Anforderungen entsprach. Mit dem Zugang einer Schulschwestern wurde auch die Klassenverteilung neu festgelegt. Eine Schwester übernahm die 1. und 2. Klasse, der Lehrer bekam die Knaben ab 3. Klasse und die zweite Schwester erhielt alle Mädchen ab 3. Klasse.


Am 1. Juni 1906 kam als Nachfolger von Jakob Mork, Maximilian Martin als Schulleiter nach Blickweiler. Er dürfte der älteren Generation hier noch in lebhafter Erinnerung sein, denn man hat schon viel gehört von den damaligen Differenzen, die er mit der Gemeinde hatte und von "Buren" und "Engländern", die es seinerzeit offensichtlich nicht nur in Südafrika, sondern sogar in Blickweiler gegeben haben soll. Martin wurde 1912 nach Clausen versetzt.

Nach M. Martin kam Johann Vogelgesang nach Blickweiler. Er war hier Schulleiter vom 1. Januar 1914 bis 30. September 1932 und war damit fast 20 Jahre hier tätig. Es dürfte deshalb wohl so sein, dass viele Bürger aus Blickweiler sich seiner noch gerne in Dankbarkeit erinnern.

Nachfolger von J. Vogelgesang wurde Hauptlehrer Rudolf Spang. Er kam im Januar 1932 von Walsheim und blieb hier tätig bis 1942. In seine Amtszeit fällt der Bau unserer jetzigen Schule.

Anfang der dreißiger Jahre wurde nämlich das Problem einer vierten Schulstelle in Blickweiler akut, denn die Bevölkerungszahl wuchs ständig. Deshalb gab es zur damaligen Zeit wohl kaum eine Gemeindebesichtigung, bei der nicht die Schulfrage angeschnitten wurde, denn die bestehenden Verhältnisse waren alles andere als schulgemäß. Leider war aber die Schulhausfrage wegen der fehlenden Mittel zunächst einmal nicht zu lösen, aus den Augen verlieren aber konnte man sie nicht.

Nachdem 1926 die Wasserleitung gebaut war und schon vier Jahre Schuldentilgung zurücklagen. prüfte die Aufsichtsbehörde die Finanzverhältnisse der Gemeinde eingehend und verlangte die Bildung eines Schulhausbaufonds. Doch die Verhältnisse sind oft stärker als die Menschen. Es kam die Weltwirtschaftskrise, die das Saarland besonders hart traf. Blickweiler hatte viele Bauhandwerker und lag deshalb mit an der Spitze der armen Gemeinden. Jeder zehnte Arbeiter war arbeitslos. An eine Rücklage war deshalb nicht zu denken, zuerst musste die leibliche Not gelindert werden. Die Fürsorge der Gemeinde verschlang alle verfügbaren Mittel. Auch die Zusage von außerordentlich hohen Baukostenzuschüssen seitens der Saarregierung erlaubte der Gemeinde nicht den Baubeginn. Was aber schon einmal ohne Geld geregelt werden konnte, wurde getan. Durch Tauschverhandlungen mit der Kirchengemeinde sicherte sich die Gemeinde ein für damalige Verhältnisse ideales Baugelände an der Blieskasteler Straße (heutiger Standort der Schule), der jetzt allerdings infolge der Verkehrsentwicklung einige Probleme mit sich bringt. Die ersten Plan-Entwürfe waren bereits vor der Abstimmung 1935 fertig, so dass bei der örtlichen Rückgliederungsfeier am 1. März 1935 schon zwei Lindenbäume auf dem künftigen Schulhof gepflanzt werden konnten.

Am 29. Juli 1936 wurde der notarielle Tauschvertrag mit dem Kirche abgeschlossen und bereits im Herbst 1936 konnte dann mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Arbeitslosigkeit war beendet, die Finanzlage der Gemeinde besserte sich und vor allem, die Regierung gewährte einen außerordentlich hohen Zuschuss. Ohne diese Hilfe des Staates wäre es der Gemeinde auch jetzt noch nicht möglich gewesen, ein Schulhaus in dieser Größenordnung und Ausstattung zu finanzieren. Alles in allem, Kinder und Lehrer werden sich gleichermaßen gefreut haben, als am 6. Januar 1938 bei einer von der Gemeinde veranstalteten Feierstunde mit Wurst und Weck für die Schulkinder das neue Schulhaus seiner Bestimmung übergeben werden konnte, denn sie zogen ja in eine neue und für damalige Verhältnisse hochmoderne Schule ein. Hiernach waren die Schulverhältnisse für geraume Zeit geordnet. Das war allerdings mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges nicht mehr der Fall, denn Blickweiler wurde 1939 und 1944/45 evakuiert, so dass von einem geordneten Schulbetrieb keine Rede mehr sein konnte.

Das am 6. Januar 1938 in Dienst gestellte neue Schulhaus.

  • Baukosten: 95.046 Reichs-Mark
  • Staatsbeihilfe: 65.000 Reichs-Mark
  • Eigenleistung: 10.000 Reichs-Mark
  • Kreis: 5.000 Reichs-Mark
  • Darlehen: 15.000 Reichs-Mark

Nach 1942 waren hier nur noch weibliche Lehrkräfte tätig, allerdings keine Schulschwestern mehr, die nach der Rückgliederung zum 1. April 1937 aus dem Schuldienst ausscheiden mussten. Nach Kriegsende kamen sie wieder in die Schule.


Auch von dem gewaltigen Blutzoll, den der Krieg forderte, blieb die Schule nicht verschont, denn im Laufe des Krieges fielen die Lehrer Morschett und Nowak, die vor Kriegsausbruch hier tätig waren. Auch das Schulgebäude litt Schaden. Im November 1944 wurde in der Schule ein Feldlazarett eingerichtet, das aber Anfang Dezember schon wieder verlegt wurde, weil mittlerweile der Ort sehr unter Artilleriebeschuss und unter den Angriffen der Jabos zu leiden hatte.

Dass aller Anfang schwer ist, wurde erneut offenbar, als der Unterricht nach Kriegsende in Blickweiler wieder aufgenommen werden sollte. Das geschah im Sommer 1945 unter der Leitung der Lehrerin (ab 1. April 1957 Oberlehrerin) Frau Rosa Spang. Als Lehrerin standen weiter zur Verfügung Fräulein lsabella Mayer und die Schulschwestern M. Florina - Kölsch und M. Abscondita - Lechner. Nach 4 Wochen allerdings wurde die Schule durch die Militärregierung wieder geschlossen. Endgültig begonnen werden sollte am 1. Oktober 1945. Weil das Schulhaus aber noch von französischen Besatzungstruppen belegt war, konnte tatsächlich erst am 10. Oktober begonnen werden. Zu dieser Zeit war Fräulein Mayer bereits aus dem Kollegium ausgeschieden und dafür kam Fräulein Auguste Bruch. Durch äußere Umstände bedingt. lief der Unterricht mehr schlecht als recht, denn es fehlte an Lehr- und Lernmitteln und vor allem an dem notwendigen Brennmaterial für die Heizung, so das über Winter der Unterricht sehr oft ausfallen musste.

Zu Beginn des Schuljahres 1946/47 erkrankte Schwester M. Florina schwer und starb am 27. Februar 1947. Da mittlerweile auch Schwester M. Abscondita nach Erbach versetzt worden war, kam am 24. Februar 1947 Schwester M. Ansgara - Post nach Blickweiler, wo sie noch im Alter von 67 Jahren ihren Dienst gewissenhaft verrichtete. Im selben Jahr gab es noch eine personelle Veränderung, weil der apl. Lehrer Johann Werny am 15. November seine erste Schulstelle in Blickweiler antrat. Am 10. Juni 1947 wurde ihm die Schulleitung übertragen. woran sieh bis zu seiner Pensionierung nichts geändert hat.

In den nächsten Jahren wurde ein neues Problem akut (das eigentlich schon 50 Jahre alt war), nämlich die Lehrerwohnung. Die alte Wohnung in der Bahnhofstraße war mittlerweile rund 150 Jahre alt und entsprach wirklich nicht mehr den an eine Lehrerwohnung zu stellenden Anforderungen. zumal von der damaligen Inhaberin der Wohnung, Frau Rosa Spang, auch noch Wohnraum abgetreten werden musste für Heimatvertriebene. Die Gemeinde entschloss sieh schließlich, das Problem von Grund auf zu lösen und eine neue Dienstwohnung für 2 Familien zu bauen. Um das Projekt finanzieren zu können, verkaufte die Gemeinde die alte Dienstwohnung mit dem alten Schulsaal, der mittlerweile zu Wohnzwecken hergerichtet war, anteilmäßig an Julius Haag, der nach entsprechendem Umbau einen Laden für Tabakwaren einrichtete und an Edgar Legrum, der den alten Schulsaal zu einem Möbelhaus umhaute. Mit dem Neubau der Lehrerwohnung wurde 1951 begonnen. Im November des darauffolgenden Jahres war sie bezugsfertig. Leider wurde auch hier wieder am falschen Ende gespart. denn die Wohnungen sind um wenigstens ein Zimmer zu klein und die vorgesehene Zentralheizung musste unter großen Schwierigkeiten später eingebaut werden.
 


Mittlerweile war vorauszusehen. dass in einigen Jahren die 1938 bezogene Schule zu klein werden musste, genauer gesagt, die zu erwartenden Schülerzahlen machten klar, dass spätestens ab 1962 die vorhandenen Säle nicht mehr ausreichten. Deshalb begann man schon 1960 mit Planung für eine Erweiterung um 2 Säle. Der Plan kam aber nicht recht zum Tragen, da eine Turnhalle mitgebaut werden sollte und man nicht recht wusste, wie man umbauen und vor allem, wo die Turnhalle hin sollte. Inzwischen ergaben die neu ermittelten Schülerzahlen, dass selbst eine Erweiterung um 2 Säle nicht ausreichen würde. Die Planung wurde also umgestellt auf insgesamt 8 Klassenräume und eine Turnhalle. Nun war die Standortfrage noch schwieriger zu lösen, zumal man bei einem Anbau zunächst hätte 2 Säle opfern müssen für ein Treppenhaus. Unter Abwägung aller Umstände entschloss sich deshalb die Gemeinde, eine neue Schule zu bauen. Das entsprechende Gebäude wurde erworben eine achtklassige Schule mit Turnhalle geplant. Aber auch das musste wieder geändert werden, weil man nun daran ging, Mittelpunktschulen zu konzipieren.

Da Blickweiler südlich von Blieskastel im Bliestal die größte Gemeinde ist und verkehrsmäßig sehr günstig liegt, wurde von der Gemeinde die neue Situation umgehend mit den zuständigen Stellen beim Kreisschulamt in St. Ingbert und beim Kultusministerium in Saarbrücken erörtert und dahingehend geklärt, dass Blickweiler eine Mittelpunktschule erhalten sollte. Dementsprechend musste die Planung erneut umgestellt werden, und nach kurzer Zeit lagen die Pläne für eine zwölfklassige Mittelpunktschule den zuständigen Stellen vor. Nach Genehmigung der Pläne sollte sofort mit dem Bau begonnen werden, sodass zum Schuljahresbeginn 1967/68 die neue Schule hätte zur Verfügung stehen können. zu dem Zeitpunkt also, mit dem im Saarland das neue Schuljahr erstmalig wieder im Herbst begann.

Durch all diese Umstände wurde aber mittlerweile die alte Schule zu klein. Deshalb wurde zu Ostern 1964 das Schülerbad mit dem dazugehörigen Umkleideraum zu einem Behelfsschulraum umgebaut, der im besten Falle eine Klasse mit 36 Kindern aufnehmen konnte. Der Saal wurde ansprechend hergerichtet und erfüllte seinen Zweck. Zu dieser Zeit wurden in Blickweiler in den Jahrgängen 1 - 7 immerhin 185 Kinder unterrichtet. Das sind 5 Klassen mit einer Klassenfrequenz von 37 Kindern (jetzige Richtzahl 33 Kinder). Nun war allerdings die Situation so, dass durch die Umstellung des Schuljahresbeginns auf den Herbst sich die Schülerzahl im Schuljahr 1966/67 auf 230 erhöhen musste. Das waren dann 6 Klassen, wofür aber keine Säle vorhanden waren.

Es war vorauszusehen, dass keine andere Wahl blieb als Wechselunterricht einzuführen mit all seinen Nachteilen für Kinder, Eltern und Lehrer. Das schien der Gemeindeverwaltung untragbar, und sie sann auf Abhilfe. Zunächst war an zwei bewegliche Schulsäle gedacht, die man auf dem Schulgelände bequem aufstellen und gegebenenfalls auch wieder abschlagen, unter Umständen sogar weiterverkaufen konnte. Es stellte sich aber bald heraus, dass zu deren Anschaffung ungefähr 120.000 DM hätten aufgebracht werden müssen. Das schien untragbar, und so kam der Gedanke auf, zwei Säle in fester Bauweise zu errichten, die nur die Hälfte der Mittel erforderten, und die später einmal der Gemeinde für andere Zwecke zur Verfügung stünden, zumal Blickweiler keinen geeigneten Gemeinschaftsraum hatte. Dabei spielte noch ein wichtiger Gesichtspunkt eine entscheidende Rolle. Bisher mussten die Schüler und Schülerinnen der Abschlussklasse (allgemein hier 9. Klasse genannt) nach Blieskastel fahren oder wurden an einen anderen ungeeigneten Ort geschickt, wenn Blieskastel nicht alle Kinder aufnehmen konnte. Diese Schwierigkeiten bestanden zu Ostern 1965 wieder. Deshalb erklärte sich das zuständige Kreisschulamt bereit, schon zu Ostern 1965 die beiden Abschlussklassen (Knaben und Mädchen) nach Blickweiler zu geben, wenn irgendwie eine Lösung gefunden würde, die Kinder unterzubringen. Da nun Blickweiler mit 25 Kindern den größten Teil dieser beiden Klassen stellte, war der Entschluss der Gemeinde verständlich, sofort mit dem Bau der zwei Ausweichsäle zu beginnen.
 



Um Kosten und Zeit zu sparen, tauchte der Gedanke auf, die Säle in eigener Regie und auf der Basis der Selbsthilfe zu erstellen. Der Gedanke fand Zustimmung und Unterstützung unter den Bürgern, und so wurde er in die Tat umgesetzt. Am 3. Mai 1965 waren die Pläne genehmigt, und an diesem Tage wurde der Bau abgesteckt. Schon am Abend desselben Tages war ein beachtlicher Teil der Fundamente ausgehoben. Trotz schlechten Wetters ging es dann Schlag auf Schlag. Architekt Folz aus Blieskastel, der auch die Mittelpunktschule plante, übernahm die Überwachung der Arbeiten. Pensionäre und Männer, die gerade ihren Jahresurlaub hatten oder ihn auch zu diesem Zweck genommen hatten, begannen schon vormittags mit der Arbeit und bereiteten alles vor, so dass am Nachmittag nach der Schicht die Facharbeiter an die Reihe kamen, die entsprechenden Arbeiten auszuführen. Viel Arbeit machten die Eisenbetonarbeiten, aber trotz allem flatterte am 11. Juni der Richtstrauß auf dem Dach. Auch die Nagelbinder dazu waren in den Räumen eines hiesigen Großzimmereibetriebes in freiwilliger Arbeit fertiggestellt worden.

Bezeichnend für die Zeit des Bauens war, dass immer genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen, dass es nie an Werkzeug mangelte, obwohl die Arbeiter es zur Verfügung stellten oder selbst mitbrachten, dass niemand sich scheute, mit anzupacken. Das gilt sowohl für den Bürgermeister und die Gemeinderatsmitglieder als auch für die damals hier tätigen Lehrer und verschiedene Frauen, die später die Putzarbeiten übernahmen. Facharbeiter stellten sich weiterhin zur Verfügung für die Dach-, Fußboden- und Deckenarbeiten. Lediglich die Elektroinstallation und die Schreinerarbeiten wurden an einheimische Handwerker vergeben, und das auch noch zu angemessenen Preisen. Selbst die Schulkreuze für die beiden Säle wurden von einem einheimischen Pensionär und Helfer geschnitzt.

Nach genau 4 Monaten Bauzeit konnten die Säle nach den großen Sommerferien am 3. September bezogen werden, worüber natürlich große Freude herrschte. Damit war der bis dahin unvermeidlich Wechselunterricht beendet, und die Abschlussklassen hatten seit diesem Tag zwei moderne Schulsäle in der Ausdehnung von 8.20 m im Quadrat, die mit modernen Schulmöbeln ausgestattet waren. Zur Einrichtung der Säle gab der Kreis einen Zuschuss von 3.000 DM.

Mit der feierlichen Einweihung der neuen Säle am 5. September 1965 wurde somit ein neues und bestimmt interessantes Kapitel der Schulgeschichte in Blickweiler abgeschlossen. Für wenig Geld, aber mit sehr viel Idealismus und Opferbereitschaft hatte die Gemeinde ein drohendes Übel abgewehrt in der festen Überzeugung dass das vollendete Werk reichlich Früchte tragen werde.

Dass die Dinge aber oft anders laufen als geplant, zeigt sich, als das Kultusministerium plötzlich von der Zusage einer Mittelpunktschule in Blickweiler abrückte und neue Schulkonzeptionen reiften, die 1970 auch in die Tat umgesetzt wurden. Zu Beginn des Schuljahres 1970/71 wurden nämlich die jetzigen Hauptschulen eingeführt, das heißt, ab der 5. Klasse gehören alle Kinder von Blickweiler zur Hauptschule Blieskastel. Da aber Blieskastel bis heute noch kein Schulgebäude hat, um die zur Hauptschule gehörenden Kinder aus den Orten Blieskastel mit Lautkirchen und Alschbach, Bierbach, Webenheim, Mimbach, Breitfurt, Blickweiler, Ballweiler und Wolfersheim aufzunehmen, mussten die Hauptschulklassen dort untergebracht werden. wo gerade Platz dafür war. So hat Blickweiler seit 1970 zwei 5. Klassen der Hauptschule Blieskastel hier, während die Kinder der 6. Klasse nach Ballweiler fahren. Die 7. Klasse ist zur Zeit in Bierbach, die 8. Klasse in Lautzkirchen und die 9. Klasse in Blieskastel.

Ob die Hauptschule in der jetzigen Form das gesteckte Ziel erreichen wird, darf mit Recht zumindest so lange bezweifelt werden, als nicht tatsächlich zentral ein neues Schulgebäude mit den dazu erforderlichen Funktionsräumen und Sportanlagen gebaut worden ist. Im lnterresse der Kinder vor allein wäre es wichtig, dass es bald geschähe, es sei denn, dass sich auch die Hauptschule schon wieder überlebt hätte, weil verschiedene Kräfte ganz ernsthaft und energisch auf die Gesamtschule zusteuern. Es wäre gut, wenn wieder Ruhe in die Schule käme, denn Unruhe und Hektik sind einem fruchtbaren pädagogischen Wirken hinderlich.

Seit Beginn des Schuljahres 1970/71 ist unsere Schule eine einzügige Grundschule, das heißt. sie umfasst nur noch die Jahrgänge 1 - 4, die als reine Jahrgangsklassen, geführt werden können. Die Schule ist also zur Zeit vierklassig. Nachdem wir seit 1970 auch eine Turnhalle haben. müssen die inneren Schulverhältnisse als durchaus gut bezeichnet werden. Sie könnten sich insgesamt noch bessern, wenn das Schulgebäude, das vor lauter Planung und ungewisser schulischer Zukunft vernachlässigt worden war, den modernen Erfordernissen angepasst würde, was nun auch geschehen soll.

Das ist auch gut so, denn die Schule kann die Visitenkarte einer Gemeinde sein, und alles was der Jugend fördernd zugute kommt, ist nicht nutzlos vertan, sondern wird in Zukunft reichlich Früchte tragen. Dass es in Blickweiler stets so bleibe, das walte Gott.

Quellenangabe:
Heimatbuch 1000 Jahre Blickweiler, Hugo Stumpf / Bu.







 


 

 


 

 





 

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