Historischer R├╝ckblick Gemeinde Blickweiler

Ein kurzer historischer Rückblick

Von Hugo Stumpf und Hans Hurth

Blickweiler ist ein uralter Siedlungsboden und kann auf eine weit über 1000 Jahre zählende Geschichte zurückblicken. Zeugnis für die Vorgeschichte legen zwei Steinbeile ah. 1912 übergab Hauptlehrer Trinkle dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer ein Steinbeil und 1914 übergab der Schmiedemeister Daniel Mayer dem Museum ein weiteres Steinbeil. Beid Speichern e Gegenstände wurden auf dem Blickweiler Bann gefunden. Außerdem befinden sich auf dem Bann vorrömische Hügelgräber. Die bedeutendsten Funde entstammen jedoch der römischen Epoche.

Diese sind:
Leichenaschenkisten. Glasuren mit Leichenbrand und Beigaben - sie zeugen von römischer Bestattung. Ein Säulenkapitell, eine Brunnenfassung und anderes deuten auf römische Bauwerke hin. Insbesondere aber ist die römische Töpferei zu nennen deren Töpferöfen im Gewann Heideacker und im Gewann Etzel freigelegt wurden. Die Töpfer arbeiteten hier etwa in der Zeit von 110 - 160 nach Christi Geburt. Die Töpferei zu Blickweiler zählte zu den "ostgallischen Manufakturen". Die Verbreitung der Blickweiler Töpferwaren reichte von Britannien bis zur mittleren Donau, wobei der Schwerpunkt deutlich im obergermanischen Bereich lag. Insgesamt sind in Blickweiler 21 Töpfer durch ihre Töpferzeichen auf dem Reliefgeschirr, der so genannten Sigillaten nachgewiesen. Auch andere Produkte wie Tassen, Teller und Schüsseln waren sehr verbreitet. Besonders sind die verzierten Terrasigillatagefäße hervorzuheben. Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts ist die Konkurrenz der Werkstätten von Rheinzabern offenbar so stark geworden, dass die Töpfer von Blickweiler gezwungen waren, den Betrieb einzustellen, oder sie sind in östlicher Richtung abgewandert um dem Absatzmarkt näher zu sein.
1666 gab es in Blickweiler 23 Haushaltungen. Nach dem 30jährigen Krieg, 1659, waren noch zwei Familien übrig. 1661 waren es noch 8 Familien. Die Neubesiedlung begann etwa um l698; in diesem Jahre konnten im Ort wieder 16 Familien nachgewiesen werden. Die Einwohnerzahl stieg nun ständig an. 1704 bis 1714 befanden sich im Ort 8 Fronpflichtige. Rechtsstreitigkeiten zwischen Kurtrier und den von Eltz im 16. Jahrhundert - es ging dabei um verschiedene Ansprüche auf das Dorf - wurden abgewiesen. 1666 empfing die Familie von der Leyen das Amt Blieskastel, zu dem auch Blickweiler gehörte zu Lehen. Blickweiler war Sitz einer Meierei innerhalb der Oberschultheißerei Blieskastel. Von 1798- 1814, zur Zeit der napoleonischen Kriege, gehörte der Ort zum Saardepartement. Arrondissement Saarbrücken, Kanton und Maine Blieskastel.

Von 1143-1816 der österreichisch-bayrischen Landesadministration in Kreuznach bzw. Worms unterstellt, kam der Ort dann 1816 zum bayrischen Rheinkreis. Landeskommissariat Zweibrücken, Kanton und Bürgermeisterei Blieskastel und 1902 zum Bezirksamt bzw. Kreis St. Ingbert. Das alte Dorf lag in hochwasserfreier Lage auf einer Bliesniederterrasse. Obwohl viele Umbauten an den alten Bauernhäusern erfolgten. ist der Kern des Ortes, der sich in unregelmäßigem Grundriss um die alte Kirche gruppiert, die etwa im 13. Jahrhundert entstand noch erkennbar. Die Deutung des Ortsnamens von Blickweiler, der für eine frühe Besiedlung im Mittelalter urkundet, ist durch die Beeinflussung der zugewanderten Germanen und durch die vor diesen hier wohnenden Keltoromanen zu begründen:

1. Die Weiler-Namen finden sich nur in den Ländern. welche vor der deutschen Einwanderung von Romanen bewohnt waren.
2. Das Grundwort vulare, später Weiler. entstammt der lateinischen Sprache.
3. Die Weilerorte finden sich dort, wo eine germanische, eine merowingische, oder fränkische Besiedlung stattfand etwa im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr.

Die erste Silbe eines Ortsnamens bezeichnet eine Person, vielleicht ein Blicco. die zweite Silbe deutet auf dessen Siedlungsland und seine Behausung hin - der Weiler des Blicco. In dieser Zeit dürfte die Ortsgründung stattgefunden haben. Blickweiler wird erstmals als Blickweiler in einer Urkunde, die im Mettlacher Urbar erfasst ist, im 12. Jahrhundert schriftlich erwähnt.

Blickweiler war zu dieser Zeit eine hofartige Siedlung, denn wiederholt spricht man in den Akten der nachfolgenden Jahrhunderte von Höfen zu Blickweiler. Die Grafen von Blieskastel wurden Grundherren von Blickweiler; Gräfin Elisabeth, die älteste Tochter des Grafen Heinrich von Blieskastel, stiftete 1243 das Kloster Gräfinthal. Sie bedachte das Kloster mit dem Patronatsrecht an der Kirche zu Blickweiler und Mengen und den Zehnten daselbst. Land und Leute gab sie hinzu, so dass das Kloster nun wichtigster Grundherr zu Blickweiler wurde. Der Pfarrer von Blickweiler war lange der Seelsorger der Kirche zu Blieskastel und den Annexen: Lautzkirchen, Alschbach Niederwürzbach, Seelbach, Biesingen, Wecklingen und Ballweiler. Das Kloster Gräfinthal und seine Güter; auch die zu Blickweiler, standen unter dem besonderen Schutz der Gräfin. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts mehren sieh die Urkunden und die Akten; sie hellen das Dunkel der mittelalterlichen Geschichte von Blickweiler etwas auf. Erwähnenswert ist ein Streitfall zwischen der Gemeinde Blickweiler und dem Kloster Gräfinthal wegen der Schäferei des Ortes. Dieser Streit und der Vergleich zwischen den Streitparteien erscheint uns aussagekräftig für die mittelalterliche Dorfgeschichte von Blickweiler, wir erhalten einen Einblick in das Alltagsleben und in die Gesetzgebung; wie dieselbe noch vielfach mit der heutigen vergleichbar ist. Die Gerichtsakte vorn Jahre 1438 sagt folgendes aus: "Es ist zu wissen, dass heute, am Sonntag nach dem Dreikönigstag, die Mißhelligkeit und der Zwietracht zwischen dem Kloster Gräfinthal und der armen Leute der ganzen Gemeinde Blickweiler, von uns, dem Gericht beigelegt wurden." Die Leute von Blickweiler behaupteten. dass die Schäfer des Priors ihre Schafe hüten müssten. Der Prior behauptete, dass er hierzu nicht verpflichtet sei.
Literaturnachweis: Blickweiler im Wandel der Zeit

Link: Europäischer Kulturpark
 


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