Bau der Bliestalbahn

Durch den Bau der Bliestalbahn wurde unsere Gemeinde 1879 Bahnstation und an den allgemeinen Verkehr angeschlossen. Die Gemeinde hatte zum Bau der Bahnlinie an die Direktion der Pfälzischen Bahnen einen Waldterrain abzutreten, was sie laut Beschluss vom 10. August 1879 zu einem geringen Preis tat, nachdem sich die Pfälzische Bahngesellschaft gleichzeitig verpflichtete, für die Gemeinde die neue Straßenstrecke nach Blieskastel zu erbauen. Eine alte Wegstrecke nach Blieskastel musste umgebaut werden, wozu die Gemeinde in Anbetracht der unter Wert abgegebenen Waldfläche einen Zuschuss des Distrikt beantragte. Diese Bahnlinie, zunächst nur eingleisig gebaut, gewann schnell eine besondere Bedeutung für den Durchgangsverkehr und wurde nach einigen Jahren auf zwei Gleise erweitert.

Bereits im Jahre 1905 wurde die vorhandene Rampe als Militärrampe gebaut und die Gleisanlagen an dieser Stelle zu Rangierzwecken erweitert. In den Kriegsjahren 1914/18 und 1939/45 kam der Bahnlinie eine besondere Bedeutung zu. In verstärktem Maß rollten Truppen- transporte und Fronturlauberzüge über diese Strecke, und mancher Frontsoldat, der von der West- zur Ostfront verlegt wurde, bekam bei dieser Gelegenheit seine Heimat noch einmal, für manchen zum letzten mal zu sehen. Den stärksten Personenverkehr dürfte diese Bahnstrecke in den 30er Jahren zu verzeichnen haben, als auf Veranlassung des damaligen Eisenbahnpräsidenten Nicklaus, ein Sohn unserer Gemeinde, ein verstärkter Schienenbusverkehr eingerichtet wurde. Durch die immer stärkere Verlagerung der Transporte von Schiene auf den Straßenverkehr und die zunehmende Motorisierung hatte die Bahnstrecke bald an Bedeutung verloren, zumal kein Durchgangsverkehr nach Saargemünd mehr bestand.

Es verkehrten an Sonn- und Feiertagen keine Züge mehr, und an den Wochentagen war der Personenverkehr aus Rentabilitätsgründen wesentlich eingeschränkt. Wäre das Gersheimer Kalkwerk nicht, wäre die Bahnlinie vielleicht schon eher stillgelegt worden als dies in den 80er Jahren dann geschah.

Wirtschaftsbetrieb
Schon vor der Jahrhundertwende bestanden in unserer Gemeinde, die damals etwa 700 Einwohner zählte bereits 5 Wirtschaften. Im Zusammenhang mit den Wirtschaftsbetrieben fasste der Gemeinderat am 31. Juli 1892 bei der Beratung über die Festsetzung der Polizeistunde folgenden, für unsere heutigen Verhältnisse interessanten Beschluss: "An Sonn- und Festtagen soll der Ausschank geistiger Getränke an im Wirtshaus befindliche Gäste der hiesigen Pfarrei während des Morgen gottesdienstes untersagt sein, damit die Pfarrangehörigen mehr ihren kirchlichen Verpflichtungen nachkommen oder wenigstens ihren Konfessionsgenossen kein Ärgernis gehen."

Noch im Jahre 1922, in einer Sitzung am 17. September, wird ein noch weitergehender Antrag eingebracht mit dem Begehren, die Wirtschaften Sonntagsmorgens während des Gottesdienstes zu schließen. Dieser Antrag wird jedoch von dem Gemeinderat zurückgewiesen. Man kam jedoch erneut zu der Entschließung Wirte daran zu erinnern, dass jegliches Zechen und Lärmen während des Gottesdienstes, insbesondere in der Nähe der Kirche zu vermeiden sei. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass in unserer Gemeinde nur jeweils an Kirchweih Tanzmusik erlaubt war, was auf ein Circulär des kgl. Bezirksamtes Zweibrücken vom 20. April 1860 zurückzuführen war. In einer Sitzung am 6. Juli 1898 hatte sich der Gemeinderat mit dieser Angelegenheit zu befassen, wobei es zu folgendem Beschluss kam: "Königliches Bezirksamt ist gehorsam zu bitten, gütigst genehmigen zu wollen, dass die hiesigen Wirte mit Tanzlokalen alljährlich am 1. Maisonntag und am Sonntag nach Jacobi Tanzmusik nach bürgermeisteramtlicher Genehmigung abhalten dürfen bis 11 Uhr."

Dieser Beschluss wurde u.a. wie folgt begründet: " In Erwägung, dass am 1. Maisonntag und am Sonntag nach Jacobi in der Umgebung Tanzmusiken stattfinden und solche sehr häufig und oft trotz strengen Verbots der Eltern von der hiesigen tanzlustigen gen Jugend besucht werden, was gewiss aus vielerlei Gründen nicht empfehlenswert für die Jugend und nicht angenehm für die Eltern ist!" Hierbei sei auch erwähnt, dass die Kirchweih früher als "Martinikerb" im November gefeiert wurde. Im August 1923 wurde eine Abstimmung in unserer Gemeinde durchgeführt mit dem Ergebnis, dass sich 72 für eine Verlegung der "Kerb" auf den letzten Sonntag im September aussprachen, bei 67 Gegenstimmen für die Beibehaltung der Martinikerb.

Dem Begehren der knappen Mehrheit folgend, hat der Gemeinderat am 26. August 1923 beschlossen. dass die Kerb in unserer Gemeinde ab 1924 am letzten Sonntag im September gefeiert wird. Zu dieser Zeit war die Kerb noch ein besonderer Feiertag. Wenn man sich in Anbetracht der ärmlichen Verhältnisse auch das ganze Jahr keinen Kuchen leisten konnte, aber an der Kerb hatten auch die Ärmsten Kuchen auf dem Tisch und getanzt wurde, wie vorstehend erwähnt, bis zum Jahre 1898 nur an der Kerb. Wenn sich auch der alte Brauch mit Kerwestrauß und Straußbuben in unserer Gemeinde noch bis heute erhalten hat, so hat der Tag doch nicht mehr diese Bedeutung wie in früheren Zeiten, da die Jugend heute durch Vergnügungen über das ganze Jahr hinaus übersättigt ist.

Literaturnachweis: Blickweiler im Wandel der Zeit

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