• 1
  • 2
  • 3

Schulgeschichte


Die behördliche Abnahme des bereits bewohnten Schulhauses erfolgte erst am 19. Januar 1743 durch den Amtmann Schmelzer aus Blieskastel. Dabei anwesend waren Christoffel Fischer und der Maurermeister Joseph Weinhardt aus Blieskastel. Gemach um Gemach wurde abgemessen. wobei sich gefunden, dass das ganze Gebäude 57 Schuh (= 17,70 m lang und 32 Schuh (= 9,90 m) breit, zweistöckig und in die vier Kander mit steinernen Wänden (also kein Fachwerk) wie auch die zwei Giebel bis unter die First aufgeführt seindt.

Im unteren Stockwerk befanden sich rechts vom Eingang die Küche mit einem Backofen und links vom Eingang zwei kleine Zimmer. Im oberen Stockwerk waren die Schulstube, eine Kammer und die Rauchkammer. Neben der Wohnung waren mit diesem noch unter einem Dach Scheune und Stallungen.

Bei der Abnahme selbst stellte sich heraus, dass die tatsächlichen Maße der einzelnen Räume bis auf den Schulsaal dem Plan nicht entsprachen. Zu ändern war daran nichts mehr. Der Bau stand und erfüllte seien Zweck. Dabei hatte das Schulzimmer im oberen Stockwerk seinen eigenen Eingang vom Kirchhof her, also von der Rückseite. Zu der Lehrerwohnung im unteren Stock gelangte man von der Dorfstraße aus (die heutige Töpferstraße).

Diese Schule von Blickweiler stand also neben dem ehemaligen Anwesen Jakob Kihm diente Alois Dahlem), und sie wurde trotz allem doch noch Pfarrhaus, das bis in den zweiten Weltkrieg hinein stand und auch als Pfarrhaus benutzt wurde, bis es am 28. Februar 1945 durch Bombenvolltreffer zerstört wurde. Als nämlich am 9. August 1805 die Teilung der Pfarrei in zwei selbständige Pfarreien (Blickweiler und Blieskastel) beschlossen war, brauchte man ein Pfarrhaus. Die politische Gemeinde vertauschte das Schulhaus gegen ein Wohnhaus mit Scheuer. Stall. Schuppen und Hof, das der Kirchengemeinde gehörte. Nachdem am 24. August 1805 die Errichtung der beiden Pfarreien durch den Präfekten des Saardepartements genehmigt worden war, trat die Teilung 1806 in Kraft. Das 1739 erbaute Schulhaus wurde Pfarrhaus und das eingetauschte Wohnhaus (früher zum Gräfinthaler Klosterhof gehörig) wurde Lehrerwohnung, an die man schon 1802/03 einen Schulsaal anbaute.

Aber wir wollen noch einmal kurz zurückblenden. um uns die innere Struktur der damaligen Schule etwas näher anzusehen. Wir kennen zum Beispiel einen Vertrag, der uns die Pflichten des Lehrers darlegt. Er wurde geschlossen am 1. Februar 1780 zwischen der Gemeinde Blickweiler und dem Lehrer Johannes Feldeisen, dessen Vater bereits Lehrer in Blickweiler war. Dieser hieß Michael Feldeisen und war in Blickweiler mit Sicherheit tätig von 1757 bis 1761, wahrscheinlich aber bis 1774. In diesem Jahr heiratete sein Sohn Johannes Feldeisen die Margarethe Lachmann aus Mainz. Sein Vater Michael starb übrigens am 7. November 1783 in Biesingen.

Aus diesem soeben erwähnten Vertrag zwischen der Gemeinde Blickweiler und Johannes Feldeisen ersehen wir, welche Dienste dem Lehrer als Glöckner. Mesner und Schullehrer oblagen. Der Vertrag lautet: Heut nach dem gesetzten Dato hat die ehrsame Gemeinde Blickweiler ihrem Schulmeister Johann Feldeisen von daher die Erlaubnis eines Hochlöblichen Oberamtes, auch unserem ehrwürdigen Herrn Pastor vor ein Jahr als Schulmeister angenummen. Das Schuljahr gehet zwar den 25. anni curentis erst an und endigt nämlich Dato 1781 und hat gedachter Schulmeister hei seinem Schulamt zu verrichten als:

1. Dem Herrn Pastor in der Kirche aufzuwarten, Mess' und Vesper helfen singen, und die Kirch jederzeit reinlich zu halten.

2. Alle Tage dreimal Angelus läuten und alle Tage des Nachts von Martini bis Maria Verkündigung (das ist vom 11.11. bis 25.3. im nächsten Jahr) um 8 Uhr (abends) läuten und auch die Kirchenuhr zu richten, dass diese in Ordnung fortgehet.

3. Die Kirchentücher zu waschen und die nötigen Hostien zu backen, hat dafür zur Zahlung: 4 fl. für die Wasch Lind 2 fl. für die Hostien.

4. Der Schulmeister hat auch von der Kirch zu ziehen 8 fl. Kompetenz und 3 fl. für 6 arme Kinder zu lernen.

5. Das ganze Jahr über zweimal täglich Schul zu halten, wovon er zu ziehen hat: Von jeder Haishaltung ein Faß Korn und 2 Mülster (1 Mülster = ein viertel Faß oder 13,5 Pfund), alle Glöcknereigüter frei zu besitzen und alljährlich 2 Klafter Buchenholz (1 Klafter = örtlich verschiedenes Raummaß zwischen 2 und 4 cbm) aus den Gemeindewaldungen frei zu ziehen, jedoch muss der Schulmeister solche auf seine Kosten hauen und heimfahren lassen; muss die Gemeinde dem Schulmeister 30 Zentner Stückkohlen in dem St. Ingberter Kohlwald, wann er solche erkauft hat, frei heimfahren lassen; wie auch ein frei Wohnhaus; und soll ihm auch von jedem Schulkind das Vierteljahr 15 Kreutzer zahlt werden, von einem Begräbnis mit 3 Ämter soll ihm ein Gulden zahlt werden und von jeder Kindtauf 5 Kreutzer. Ein Kind zu begraben 15 Kreutzer, von einer Hochzeit 30 Kreutzer, hat Schulmeister von Kirch zu ziehen 7 Albus Besen in die Kirch zu stellen, ein Thaler für zu flicken und ein Gulden für drei Anniversarium (Jahrgedächtnisse).

Dass vorstehender Akkord zwischen hiesiger Gemeinde und unserem Schulmeister also verabredet und geschlossen und vor ein Jahr gültig ist, sofern er von unserem Hochlöblichen Oberamt (in Blieskastel) ratifiziert, erkennen wir hiermit

Blickweiler, den 1ten Febris 1780.
Namens Gemeinde: Barthel Kihm, Hampeter Krämer, Peter Becker.
Gerichtsschöffen: Johannes Krämer, Heinrich Bracker, Joseph Kremmer, Johannes Georg, Franz Post.
 

Drucken


Blickweiler im Saarland - do simmer dehemm!

Stadteile Blieskastel

Stattteile Blieskastel